Johann Wolfgang von Goethe – Dichter und Denker

Johann Wolfgang von Goethe ist einer der wichtigsten deutschen Dichter und ein Vertreter der Weimarer Klassik. Er wurde 1749 in Frankfurt als ältester Sohn eines Juristen geboren. Er hatte noch vier Geschwister, von denen jedoch nur eine Schwester überlebte, mit der ihn auch ein enges Verhältnis verband. Von 1756 bis 1758 wurde Goethe an einer öffentlichen Schule unterrichtet. Danach folgte eine aufwändige Ausbildung mit Hauslehrern.

Zur Literatur kam Goethe schon in frühen Kindheitsjahren. 1753 schenkte ihm seine Großmutter ein Puppentheater, für das er eigens Stücke schrieb und diese im Kreise der Familie aufführte. Da die Familie sehr belesen war, kam er schon früh mit dem Volksbuch von Dr. Faust in Berührung.

1765 begann er jedoch zunächst auf Drängen seines Vaters ein Jurastudium in Leipzig. Hier lernte er einen völlig neuen Lebenskreis kennen. Schon bald interessierte er sich nicht mehr so sehr für sein Jurastudium,sondern besuchte lieber Poetikvorlesungen. Auch begegnete er hier dem Maler Oeser, der sein Kunstverständnis förderte. Zudem erlernte Goethe den Holzschnitt und die Radierung bei einem Kupferstecher.

An den Abenden verbrachte Goethe die Zeit sehr oft mit Freunden, unter anderem in Auerbachs Keller. Auch eine erste Freundin hatte er in dieser Zeit mit einer Handwerkstochter. Diese Romanze hatte auch viel Einfluss auf seinen Schreibstil, der nun stürmischer und freier wurde.

Im Juli 1768 erlitt Goethe einen „Blutsturz“, wahrscheinlich Tuberkulose. Diese Krankheit zwang ihn zur Rückkehr ins Elternhaus nach Frankfurt. Hier beschäftigte er sich während seiner langen Genesungszeit mit alchemistischen und mystischen Schriften. Auch verfasste er sein erstes Lustspiel „Die Mitschuldigen“.

1770, im April, konnte er sein Studium in Straßburg fortsetzen. Zunächst widmete er sich auch wieder ernsthaft seinem Jurastudium. Hier lernte er auch Johann Gottfried Herder, einen Theologen und Literaturtheoretiker kennen. Dieser führte ihn zu Shakespeares Werken und auch Homer. Er war für die dichterische Entwicklung Goethes von enormer Wichtigkeit.

Am 6.August 1771 bestand er sein Jurastudium „cum applausu“. In Frankfurt zurück eröffnete er seine eigene Anwaltskanzlei, die er auch 4 Jahre aufrecht erhielt, bis er nach Weimar abreiste. Für ihn war die Dichtung wichtiger wie sein Beruf als Anwalt. 1773 veröffentlichte er auch sein erstes Drama „Götz von Berlichingen“. Dieses Werk gilt als Gründungsdokument des Sturm und Drang.

1772 schrieb er sich wieder auf Drängen seines Vaters beim Reichskammergericht in Wetzlar ein. Nach kurzer Zeit vernachlässigte er jedoch seine juristischen Studien und widmete sich stattdessen wieder der Dichtung. Er verliebte sich hier auch in Charlotte Buff, wegen der er schließlich wenige Monate später Wetzlar überstürzt verließ. Die Erlebnisse schrieb er in den „Leiden des jungen Werther“ nieder. Durch dieses Werk wurde Goethe in ganz Europa berühmt. Diese Jahre bis 1775 gehörten zu den schaffensreichsten Jahren von Goethe. So griff er in dieser Zeit auch erstmal den Fauststoff auf. 1775 folgte er einer Einladung Herzogs Karl August nach Weimar. Hier sollte er bei der Leitung des Staates mitwirken. 1776 gehörte er zum Beratergremium des Herzogs. In den folgenden Jahren wurden ihm die Leitung der Bergwerkskommission, der Kriegs- und Wegebaukommission und schließlich 1782 das Finanzministerium übertragen. Er erhielt den Titel Geheimrat und ihm wurde der erbliche Adel verliehen. In dieser Zeit entstand dichterisch nicht so viel von Goethe, außer einer ersten Fassung von „Iphigenie auf Tauris“ und einigen Gedichten wie dem „Erlkönig“. Privat hatte er während seiner Weimarer Zeit eine innige Beziehung zu Charlotte von Stein.

1786 hatte Goethe eine Krise. Er fand sein Verhältnis zu Charlotte von Stein zunehmend unbefriedigend und auch das Hofleben machte ihm keinen Spaß mehr. So brach er zu einer Reise nach Italien auf. Im November erreichte er Rom, wo er bei dem Maler Tischbein wohnte. Zudem lernte er die Kunstwerke der Antike und der Renaissance kennen und bewunderte sie.

1788 kehrte er nach Weimar zurück und lernte hier Christiane Vulpius kennen, die bald darauf seine Gefährtin wurde. 1789 gebar sie ihm einen Sohn, August, auf den noch 4 weitere Kinder folgten, die jedoch alle nicht überlebten. Goethe ließ sich vom Herzog von einigen Aufgaben entbinden und widmete sich stattdessen dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich. Von 1791 bis 1817 wurde ihm die Leitung des Weimarer Hoftheaters übertragen. Auch an der Universität Jena war er beratend tätig. Er war hier für die Berufung namhafter Professoren wie Fichte, Hegel, Schellung und Friedrich Schiller. 1792 folgte Goethe dem Herzog in den ersten Koalitionskrieg als Beobachter des Elends. 1794 bat ihn Schiller um Mitarbeit an seiner Zeitschrift, den Horen. Beide entwickelten in den folgenden Jahren die Epoche der „Weimarer Klassik“. Als Schiller 1805 stirbt, endet damit die prägende Epoche der Weimarer Klassik. 1806 beendete er auch endlich den ersten Teil des Faust. 1809 begann Goethe mit seiner Autobiographie. Ein Jahr darauf veröffentlichte er die Farbenlehre. Nun begann er auch mit dem Studium des Arabischen und Persischen.

1816 ereilte ihn ein Schicksalsschlag, seine Frau Christiane starb. Ein Jahr darauf gab er die Leitung des Hoftheaters auf. 1823 erkrankte er an einer Herzbeutelentzündung. Nach seiner Genesung hatte er noch einmal einen Schaffensdrang. Er arbeitete wieder am zweiten Teil von Faust. Allerdings schrieb er kaum noch selbst, sondern diktierte es. 1828 starb Herzog Karl August und zwei Jahre später starb sein Sohn. Im selben Jahr vollendete er den zweiten Teil von Faust.
Im März 1832 stirbt Goethe schließlich und wird in der Weimarer Fürstengruft bestattet.