Johann Gottfried von Herder

Johann Gottfried von Herder, geboren 1744, war ein deutscher Dichter, Theologe und ein Philosoph der Weimarer Klassik.

Herder war der Sohn eines Kantors und Schullehrers. So wurde er sehr religiös geprägt und sollte Theologie studieren. Er besuchte zunächst die Stadtschule in seiner Heimatstadt Mohrungen. Im Sommer 1762 verließ er die Stadt und seine Eltern und ging nach Königsberg um dort Chirurg zu werden. Er sollte nie wieder in seine Heimatstadt zurückkehren.

In Königsberg schrieb er sich an der Universität ein, um Theologie zu studieren, da ihm die Chirurgie nicht lag. Hier gewann er auch einen Gönner, den Buchhändler Johann Jakob Kanter. Durch ihn wurde er Hilfslehrer am Collegium Fridericianum. Herder schloss sich einem Kreis an, dem u. a. auch Immanuel Kant angehörte.

Seine ersten literarischen Ausflüge machte er für Kanters „Königsbergische Zeitung“, in der er Gedichte und Rezensionen schrieb. 1763 erhielt Herder ein Stipendium und beteiligte sich zudem an der Preisaufgabe der Schweizerischen Patriotischen Gesellschaft. Im Herbst 1764 wird er an die Domschule nach Riga berufen, was ihm ganz recht ist, da er so dem Militärdienst entgeht. Bis 1769 ist er dort Aushilfslehrer. 1764 erscheint im Rigaer Blatt seine erste umfangreichere Studie „Über den Fleiß in mehreren gelehrten Sprachen“. Zudem wird er 1766 in den Bund der Freimaurer aufgenommen. Nun schrieb er auch mehrere größere Veröffentlichungen. In dieser Zeit stand er auch in engem Briefkontakt mit Friedrich Nicolai, auf dessen Geheiß er auch Mitarbeiter an der „Allgemeinen Deutschen Bibliothek“ wurde. Allerdings geriet er später mit ihm in Kritik, da Nicolai die Literatur des Sturm und Drang und der Klassik attackierte. Herder kritisierte leidenschaftlich die orthodoxe Einstellung der damaligen Theologie und auch die abwehrende Haltung gegen seine Schulpläne. Auch kritisierte er die Übermacht der Lateiner im deutschsprachigen Raum. Im Frühling 1769 bat er um seine Entlassung um nach Mitteleuropa zu gehen.

So ging er 1769 auf seine Reise, die ihn zunächst nach Nantes zu seinem Freund Gustav Berens führte. Von da aus ging es weiter nach Paris, wo er einen regen Gedankenaustausch mit den Enzyklopädisten pflegte und d’Alembert kennen lernte. Bald darauf erreichte ihn der Antrag des fürstbischöflich lübischen Hofes zu Eutin, wo er den Erbprinzen von Holstein-Gottorp als Reiseprediger begleiten sollte. So begab er sich im Dezember 1769 über Brüssel, Amsterdam und Hamburg nach Eutin. In Hamburg hatte er u.a. Lessing, Basedow und Claudius kennen gelernt.

Im Juli 1770 ging es mit dem Prinzen auf Reisen über Hannover, Göttingen, Darmstadt und Straßburg. Hier kam es zu einem Treffen mit Johann Wolfgang von Goethe. Kurz darauf erbat er seine Entlassung am Eutinschen Hof und wurde auf Wunsch von Graf zu Schaumburg-Lippe Hauptprediger der Residenz Bückeberg. Wegen einer Augenoperation blieb er jedoch den Winter noch in Straßberg, wo er Goethe u.a. auf Homer und Shakespeare aufmerksam machte. Ende April 1771 konnte er endlich die Stelle als Prediger antreten. Diese Zeit in Bückeberg war die eigentliche Sturm und Drang Zeit Herders. 1774 stritt er gegen die öde Aufklärungsbildung der Zeit. Auch legte er eine neue Geschichtsauffassung vor, die er in sich aufeinander aufbauende Epochen gliederte. Er entwarf auch einige Kantaten und dramatische Werke in enger Zusammenarbeit mit Bach. 1776 wurde er erster Prediger an der Stadtkirche St.Peter & Paul in Weimar. Hier entwickelte er einen engen Kontakt u.a. zu Karl Ludwig von Knebel und Christoph Martin Wieland. Seit den frühen 1780er Jahren verband ihn auch eine enge Freundschaft mit Goethe. 1780 kam es zur Preiskrönung seiner Schrift: „Vom Einfluss der Regierung auf die Wissenschaften und der Wissenschaften auf die Regierung“.

1783 begab er sich auf eine Reise nach Hamburg wo er Klopstock kennen lernte. Weiter ging die Reise über Braunschweig nach Halberstadt.

1785 begann Herder sein Hauptwerk „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ herauszugeben. Von 1785 bis 1797 veröffentlichte er die „Zerstreuten Blätter“. 1787 bekam er die Ehrenmitgliedschaft in der Berliner Akademie der Wissenschaften. Von 1788 bis 1789 reiste er nach Italien als Begleitung des Domherrn Johann Friedrich Hugo von Dalberg. In Rom lernte er viele einflussreiche Künstler, u.a. Tischbein, kennen. Schließlich kehrte er auf Drängen Goethes nach Weimar zurück. Langsam zerbrach auch durch Herders Engstirnigkeit die Freundschaft zu Goethe. In seinen literarischen Werken ließ er immer mehr die Gegensätzlichkeit zu Kants Philosophie und dem Klassizismus von Goethe und Schiller erkennen. So bekämpfte er 1799 mit der „Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft“ und 1800 mit der „Kalligone“ Kants Philosophie. Von 1801 bis 1803 schrieb er die „Adrastea“ die sich gegen den Klassizismus richtete. Dies waren fast seine letzten Werke, bevor ihn seine Krankheit einholte. Im Dezember 1803 starb er in Weimar an den Folgen eines schweren Anfalls.